Neophyten-Porträts

Invasive Arten sind nicht einheimische Arten, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Biotope oder Ökosysteme haben können (vgl. § 7 (1) Nr. 9 BNatSchG). Im Einzelfall kann es durch die Ausbildung von Dominanzbeständen zur Verdrängung von Arten mit hoher naturschutzfachlicher Bedeutung kommen. Darüber hinaus kann es auch zur Beeinträchtigung von Ökosytemleistungen kommen (z. B. Erhöhung der Erosion an Fließgewässern).

Im Projektgebiet treten bisher vor allem die folgenden Neophytenarten invasiv auf und stehen daher im besonderen Fokus des Projektes. Mehr Informationen zu den einzelnen Pflanzen sind auf  NeoBiota zu finden. Zusätzliche Informationen zu den einzelnen Arten können per Link abgerufen werden.

 

Staudenknöteriche

Im Projektgebiet unterscheidet man insgesamt drei invasive Arten an Staudenknöterichen:

Die aus Ostasien stammenden Staudenknöteriche stellen die auffälligsten neophytischen Vertreter in der Region dar. Ihre Verbreitungsschwerpunkte befinden sich entlang von Fließgewässern und Verkehrswegen. Vor allen entlang von Fließgewässern können einzelne Dominanzbestände Größen von bis zu einen Hektar erreichen, in dem praktisch keine anderen Pflanzenarten mehr existieren können. Weitere Standorte können Industrie- und Grünlandbrachen sein. In der Nähe von Kleingartenanlagen wurden auch verwilderte Bestände aus Gartenabfällen kartiert.

Alle Staudenknötericharten stellen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar.

Abb.1: Der Japanische Staudenknöterich stellt den häufigsten Vertreter der Staudenknöteriche dar. Er kann eine Wuchshöhe von bis 3m haben. Typisches Erkennungsmerkmal sind seine ledrigen bis zu 20cm großen Blätter mit einen fast geradlinigen Blattspreitengrund. Ein weiteres Erkennungsmerkmal stellt sein rot gesprenkelter Stiel dar.

Abb.2: Der Sachalin-Knöterich tritt im Projektgebiet deutlich seltener auf. Mancherorts kann er auch als Zierpflanze in Gärten gefunden werden. Im Gegensatz zum Japanischen Knöterich kann er eine Wuchshöhe von bis zu 4m erreichen. Seine weichen Blätter erreichen im ausgewachsenen Stadium eine Länge von bis zu ca. 40cm und haben einen deutlich herzförmigen Ausschnitt am Blattspreitengrund. Weiterhin besitzt er einen durchgängig grünen Stängel.

Der Bastard-Knöterich stellt eine Hybrid-Form aus den beiden Elternarten Japanischer - und Sachalin-Knöterich dar. Diese Kreuzung ist nur aus Europa bekannt. In den ursprünglichen Überschneidungsgebieten der Elternarten in Ostasien tritt der Bastard nicht auf. Eine genaue Unterscheidung des Bastards im Freiland stellt sich oftmals als schwierig heraus, da er praktisch fließende Übergänge zwischen seinen Elternarten aufzeigen kann. Gesichert sind Vorkommen vom Bastard entlang des Löbauer Wassers, zum Beispiel in der Georgewitzer Skala. An diesem Standort stellt der Bastard-Knöterich die beherrschende Staudenknöterichart dar.

 

Riesenbärenklau

Ein weiterer populärer Vertreter invasiver Neophyten stellt der Riesenbärenklau dar, der ursprünglich im Kaukasus beheimatet ist. Der korrekte wissenschaftliche Name lautet Heracleum mantegazzianum. In der Region ist der Riesenbärenklau immer wieder vereinzelt oder in größeren Beständen entlang von Fließgewässern zu finden. Weitere Standorte konnten im Projektgebiet mit Feuchtwiesen, Ruderalflächen, Grünlandbrachen oder auch Quellbereichen kartiert werden.

Abb.3: Die zweijährige Pflanze kann eine Wuchshöhe von bis zu 5m erreichen. Die Blätter sind unter optimalen Bedingungen bis zu 3m lang. Im Gegensatz zum Staudenknöterich können sich Dominanzbeständen vom Riesenbärenklau auch noch heimische Arten halten, wobei es sich aber zumeist um Arten nährstoffreicher Standorte wie Brennnessel oder Kletten-Labkraut handelt.

Abb.4: Sehr markant ist die große Dolde mit bis zu 80000 Einzelblüten und einem Durchmesser von bis zu 80cm. Sie stellt vor allen für Insekten eine attraktive Nektarquelle dar. Die großen, weithin sichtbaren Dolden stellen eine zusätzliche Konkurrenz um nektarsuchende Insekten für heimische Pflanzenarten dar, die auf potentielle Bestäuber im Umfeld einer Riesenbärenklaupflanze weniger attraktiv erscheinen und so im schlimmsten Fall nicht bestäubt werden.

Eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit stellt der Pflanzensaft des Riesenbärenklaus dar, der praktisch in allen Pflanzenteilen vorhanden ist. Die sogenannten Furanocumarine sind Pflanzeninhaltsstoffe die phototoxisch wirken, d.h. dass bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft und zusätzlicher Sonneneinstrahlung sich nach 1-2 Tagen schwere Hautentzündungen bilden können, die Verbrennungen dritten Grades ähneln. Aus diesem Grund ist bei Arbeiten mit dieser Pflanze immer auf vollständige Arbeitsschutzbekleidung zu achten.

 

Goldruten

Im Projektgebiet kommen zwei als invasiv geltende Goldrutenarten vor:

Natürlich kommen beide Arten im größten Teil der USA sowie des südlichen Kanadas vor. Im Projektgebiet haben Goldruten Verbreitungsschwerpunkte auf ehemaligen Tagebauflächen, Industrie- und Grünlandbrachen oder auch entlang von Verkehrswegen.

Beide Goldrutenarten stellen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Der Verdacht, das beide Arten als Auslöser für Pollenallergien gelten, gilt als umstritten.

Abb.5/6: Die Kanadische Goldrute (links) stellt die deutlich häufiger vorkommendere Art im Projektgebiet dar. Vor allen in den ehemaligen Tagebaugebieten vom Olbersdorfer See oder auch dem Berzdorfer See bildet die Kanadische Goldrute Dominanzbestände über zum Teil mehrere Hektar. Dabei bevorzugt die wärmeliebende Art trockene bis frische Standorte. Die Späte Goldrute (rechts) tritt im Gebiet deutlich seltener auf und kann leicht mit der Kanadischen Goldrute verwechselt werden, da beide Arten oftmals gleiche Standorte besiedeln. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal stellt der Stängel dar, der bei der Kanadischen Goldrute mit dichten kurzen Haaren besetzt ist, während bei der Späten Goldruten der Stängel rötlich kahl und bereift ist.

 

Drüsiges Springkraut

Die Art ist auch unter dem deutschen Namen Indisches Springkraut bekannt, der wissenschaftliche Name lautet Impatiens glandulifera. Die ursprüngliche Heimat dieses Balsaminengewächses liegt im westlichen Himalaja. In der Region kommt das Drüsige Springkraut hauptsächlich entlang von Fließgewässern vor, vereinzelt wurden auch Standorte auf Schlagfluren in Wäldern oder auf Ruderalflächen kartiert.

Für die menschliche Gesundheit sind keine Auswirkungen bekannt.

Abb.7: Besonders auffällig und bereits auf große Entfernung sichtbar präsentiert sich das Drüsige Springkraut während der Blütezeit. Die Art wird wegen ihrer schönen Blüte, die von fast Weiß bis zu einem kräftigen Lila variieren kann, oft mit einer Orchidee verwechselt. Der auffällige Blütenstand stellt für Insekten eine attraktive Nektarquelle dar. Somit steht das Springkraut in Konkurrenz mit heimischen Arten (siehe auch Riesenbärenklau).

Die Invasivität der Art gilt allgemein als umstritten. Im Projektgebiet kann festgestellt werden, dass das Drüsige Springkraut weniger verdrängend auf heimische Arten wirkt. Es kommt eher zu einer Verschiebung der Dominanzverhältnisse zugunsten des Drüsigen Springkrautes, wobei heimische Arten nicht verdrängt aber deutlich ausgedünnt werden.