Workshop Neophytenmanagement in der Euroregion Neiße 2011

 

23.06.2011 Vortragsveranstaltung im Salzhaus/ Zittau

09:30 Uhr wurde von Herrn Peter Müller, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Görlitz der Neophytenworkshop 2011 eröffnet. Zu seiner Seite Fr. Martina Böhme, die über die zwei Tage für die zweisprachige Übersetzung zuständig war.

 


Gemeinsam begrüßten Herr Dipl.-Ing. Norbert Ziegler, SMUL – Referatsleiter Referat 56, Schutzgebiete, Biotop- und Artenschutz und Herr Dipl.-Ing. Jaroslav Podzimek, Mitglied des Regionsrates, Ressort für Landwirtschaft und Umwelt, Liberecký kraj, die Anwesenden und wünschten der Veranstaltung ein gutes Gelingen.

 

Die Vortragsreihe wurde von Herrn Dipl.-Ing. Mike Krüger, Planungsbüro Ing. Krüger & Jedzig, eröffnet. Er stellte den deutschen Teil des Projektes vor. Das Planungsbüro Ing.  Krüger und Jedzig bildet ein wichtige Schnittstelle für alle Projektbeteiligten. Neben Projektkoordinierung ist das Büro auch für die wissenschaftliche Begleitung in Zusammenarbeit mit der TU Berlin, die Kartierung von Neophyten in Schutzgebieten und an ausgewählten Fließgewässern sowie die Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch die Organisation des Workshops gehört, zuständig.

 

Im Anschluss stellte Herr Dipl.-Ing. Martin Modrý, Liberecký kraj, Abteilung für Landwirtschaft und Naturschutz, den tschechischen Teil des Neophytenprojektes vor. Hr. Modrý ist der tschechische Ansprechpartner für das Neophytenprojekt.

 

Herr Dr. Moritz von der Lippe, TU Berlin - Fachgebiet Ökosystemkunde / Pflanzenökologie, beim Vorstellen der wissenschaftlichen Inhalte des Projektes; zusammen mit Übersetzerin Fr. Martina Böhme. Die TU Berlin erstellt im Rahmen des Projektes eine Handlungsempfehlung und Bewertungsmatrix, mit der in Zukunft Neophytenstandorte bewertet werden sollen.

 

Als letzten Vortrag vor der Mittagspause stellte Herr Dr. Uwe Starfinger, Julius Kühn-Institut, Braunschweig, Institut für Pflanzengesundheit - die Neophytenproblematik am Beispiel von Ambrosia vor.

 

Nach der Mittagspause präsentierte Herr Janata die Erfahrungen seiner tschechischen Projektgruppe im Umgang mit Riesenbärenklau. Thema seines Vortrages war "The methods of extermination of Riesenbärenklau in Marianske Lazne – West Bohemia".

 

Herr Dr. Eckehard-Gunter Wilhelm gewährte interessante Einblicke in den Arbeitskreis „Neobiota“ in Sachsen. Er zeigte sich sehr interessiert an einer künftig engeren Zusammenarbeit.

 

Herr Dipl.-Ing. Martin Modrý, Liberecký kraj, Abteilung für Landwirtschaft und Naturschutz schloss schließlich mit seiner Präsentation zum Thema "Biologische Stabilisierungsmaßnahmen für unterschiedliche Standorte" die Vortragsveranstaltung ab.

 

Abschließend bedankte sich Herr Peter Müller, Sachgebietsleiter Untere Naturschutzbehörde im Namen des Landkreises Görlitz bei allen Referenten, und speziell bei Frau Dr. Christiane Ritz für deren Moderation des Neophytenworkshops.

Die Vorträge der einzelnen Referenten können im Downloadbereich herunter geladen werden.

 

24.06.2011 Exkursion zu ausgewählten Neophytenstandorten in Tschechien und Deutschland

 

Der erste Exkursionspunkt befand sich in Tschechien an einer ehemaligen Abraumhalde am Kristina-See bei Hradek. Die Exkursion wurde auf tschechischer Seite durch Martin Modrý, Liberecký kraj, Abteilung für Landwirtschaft und Naturschutz (Bildmitte rechts im hellgrünen Hemd) geleitet. Er präsentierte Verdrängungserfolge von Staudenknöterichbeständen an diesem Standort. Durch den Einsatz von Chemie lassen sich vergleichsweise schnell erste Verdrängungserfolge bei Staudenknöterich (Fallopia spec.) erzielen.

 

Der zweite Exkursionspunkt befand sich am Neißeufer zwischen Dolní Suchá und Chrastava. Herr Modrý zeigte ehemalige Standorte von Dominanzbeständen vom Staudenknöterich (Fallopia spec.).

 

An diesem Abschnitt des Neißeufers befanden sich noch vor wenigen Jahren undurchdringliche Staudenknöterich-Dominanzbestände mit einer Breite von bis zu 30m. Nach mehrjährigen wiederholten Chemieeinsatz konnten die Bestände massiv ausgedünnt werden. Das Flussufer wurde wieder von heimischen, unter anderem seltenen Arten, zurückerobert. Ein großer Nutznießer des Hochwassers im Jahr 2010 stellt das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) dar. Die einjährige Pflanze gilt ebenfalls als invasiv und profitiert durch die vielen vom Hochwasser geschaffenen Offenflächen, auf denen sie sich sprunghaft ausbreitet.

 

Die Exkursion wurde auch von einer Videoreporterin des MDR Sachsenspiegel begleitet. Der 90-sekündige Beitrag wurde am gleichen Abend im MDR Sachsenspiegel gesendet.

 

Herr Modrý stellt einen letzten Standort am tschechischen Neißeufer vor. Neben Staudenknöterich (Fallopia spec.) kommen auch noch größere Springkrautbestände vor (Impatiens glandulifera); siehe Bildvordergrund.

 

Auf deutscher Seite übernimmt Herr Dipl.-Ing. Kay Sbrzesny, Planungsbüro Ing. Krüger & Jedzig, die Führung der Exkursion. Als erstes wird ein ehemaliger Altarm der Neiße am Dreiländereck bei Hartau vorgestellt. Hier wird durch das Naturschutzzentrum "Zittauer Gebirge" schon seit vielen Jahren Staudenknöterich (Fallopia spec.) chemisch verdrängt. Die Erfolge sind deutlich sichtbar. So konnten sich ehemalige Dominanzstandorte wieder zu wertvollen Flachlandmähwiesen bzw. Feuchtgrünland entwickeln. Durch das Hochwasser 2010 wurden aber große Flächen überschwemmt und es lagerten sich Flusssedimente am Standort ab. Das Bild stammt vom Mitte August 2010.

 


Zweiter Exkursionspunkt auf deutscher Seite stellt ein Riesenbärenklaubestand am Wittgendorfer Wasser westlich von Wittgendorf dar. Aufgrund der Größe des Standortes und dem unwegsamen Geländes konnte bisher noch nicht erfolgreich der Bestand zurückgedrängt werden.

 

Auf dem Hofeberg bei Leuba konnte sich vermutlich aus Gartenabfällen der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) etablieren. Aus einem ehemalig mageren trockenen Biotop, dass auch als Flächennaturdenkmal ausgewiesen war, entwickelte sich eine neophytisch geprägte Ruderalflur. Der Schutzstatus dieser Fläche ist erloschen. Aktuell wird dieser Standort vom Landschaftspflegeverband "Zittauer Gebirge und Vorland" e.V. mechanisch bearbeitet. Herr Sbrzesny stellte hier die verschiedenen mechanischen Maßnahmen zur Verdrängung von Staudenknöterichen (Fallopia spec.) vor.

 

Letzter Exkursionspunkt auf deutscher Seite war ein Staudenknöterichbestand nördlich von Hagenwerder am Pließnitzaltarm. Frau Katrin Appolt, Landschaftspflegeverband "Oberlausitz" e.V., gewährte einige interessante Einblicke in die praktischen Arbeiten der Neophytenverdrängung im Rahmen des Projektes. Unter anderen stellt die Entsorgung der Biomasse ein großes Problem dar.

 

alle Fotos: Planungsbüro Ing. Krüger und Jedzig