Praktische Verdrängung

Zuständig für die praktische Verdrängung im Rahmen der Wissenschaftlichen Arbeit innerhalb des Projektgebietes sind auf deutscher Seite die beiden Landschaftspflegeverbände "Oberlausitz" e.V. und "Zittauer Gebirge und Vorland" e.V. sowie das Naturschutzzentrum "Zittauer Gebirge" gGmbH.

Auf tschechischer Seite ist der Liberecký kraj für die Verdrängung ausgewählter Neophytenstandorte zuständig.

Siehe auch Projektpartner.

Im Rahmen der Verdrängung werden ausgewählte Neophyten unter verschiedenen Verdrängungsmethoden bearbeitet und die Daten anschließend ausgewertet.

 

Vorstellung der einzelnen Maßnahmen:

Mähen

Abb.1: Mähen von Goldrute

Mit der Maßnahme Mähen werden Standorte mit Staudenknöterich, Goldrute und Springkraut bearbeitet. Die Bearbeitung erfolgt in der Regel mit einem Freischneider, in Ausnahmefällen kann auch eine Sense zum Einsatz kommen. Nach der Mahd werden die Flächen beräumt.

Für Springkraut und Goldrute sind zwei Mahddurchgänge im Abstand von ca. 4 Wochen ausreichend. Eine dritter Durchgang kann im Rahmen eines Kontrollbeganges erfolgen, um eventuell übersehene Pflanzen zu entfernen und um einen neuerlichen Sameneintrag zu vermeiden. Die Mahd sollte vor der Samenreife erfolgen und wird ab Juni beginnend empfohlen. Bereits nach einem Jahr lassen sich hier gute Ergebnisse erzielen.

Für die Staudenknötericharten muss aufgrund ihrer starken Regenerationsfähigkeit ein deutlich aufwendigeres Mahdregime angewandt werden. Hier wird beginnend ab Ende April/ Anfang Mai (je nach Witterung und Austrieb der Pflanzen) eine 6-8 -malige Mahd im Abstand von 3-4 Wochen empfohlen. Ziel ist eine kontinuierliche Schwächung der Pflanze, die sich vor allem aus ihren kräftigen Wurzelwerk immer wieder regenieren kann. Alle drei Staudenknötericharten können nach diesem Prinzip bearbeitet werden.

Ein Nachteil dieser Maßnahme ist, dass die Pflanzen nicht komplett bis zum Stängelgrund entfernt werden und so sich bereits nach kurzer Zeit neue Seitentriebe bilden können.

 

Ausreißen/ Ausstechen

Abb.2: Ausstechen von Riesenbärenklau

Die Maßnahme Ausreißen/ Ausstechen kann für alle vier betrachteten Neophytenarten angewandt werden. Diese aufwändigere Maßnahme führt zu einer deutlicheren Schwächung, da die Pflanzen stellenweise komplett (mit Wurzeln) entfernt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass die pflanzen selektiv entfernt werden und somit im Umfeld bereits bestehende natürliche Vegetation geschont wird.

Für Goldruten empfiehlt sich Ausreißen/ Ausstechen nur noch bei individuenschwachen Beständen, wo eine Mahd einen höheren Aufwand darstellt, wie die selektive Einzelentnahme von Pflanzen. In diesem Fall können die Einzelpflanzen gezielt per Hand unter Schonung der natürlichen Vegetation entfernt werden. Der Pflegerhytmus erfolgt analog dem Mähen.

Für Sprinkraut wird Ausreißen/ Ausstechen ebenfalls bei individuenschwachen Beständen empfohlen, wo die Mahd einen Mehraufwand bedeuten würde. Springkraut lässt sich beim Ausreißen praktisch immer mit der Wurzel entfernen. Der Pflegerhytmus erfolgt analog dem Mähen.

Riesenbärenklau sollte vorwiegend durch Ausstechen mechanisch verdrängt werden. Die Pflanze muss hierzu gezielt entlang seiner Pfahlwurzel in einer Tiefe von ca. 20cm (Höhe Spatenblatt) abgestochen werden (siehe Abb.3). Jeder tiefer die Pflanze abgestochen wird, desto größer deren Schwächung.

Abb.3: Ausstechen einer Riesenbärenklaupflanze mit Vegetationskegel

Die Bearbeitung erfolgt im 4 Wochen-Rhythmus und sollte mit Anfang Juni beginnen. Insgesamt müssen drei Durchgänge eingeplant werden, wobei der dritte Bearbeitungsdurchgang einer Nachkontrolle dient, da der Riesenbärenklau in der Lage ist Notdolden auszubilden, die leicht übersehen werden können. Ein erneuter Sameneintrag am Standort sollte unbedingt vermieden werden.

Weiterhin ist aufgrund seiner phototoxischen Wirkung unbedingt auf entsprechenden Arbeitsschutz beim Arbeiten mit Riesenbärenklau zu achten. Hände, Arme, Beine und das Gesicht (Augenschutz) sind vor einem Kontakt mit dem Pflanzensaft zu schützen. Weiterhin empfiehlt es sich die Arbeit an sonnenlosen Tagen durchzuführen, um nicht das Risiko einer phototoxischen Reaktion bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft zu erhöhen.


Kleinere bzw. ausgedünnte Staudenknöterichbestände können ebenfalls mit der Methode Ausreißen/ Ausstechen verdrängt werden. Auch hier ist das Ziel, die Pflanze möglichst tief abzustechen und somit stärker zu schwächen, wie es mit der Mahd möglich (Abb.4.). Bei entsprechend gewissenhafter Arbeit lässt sich so ein besserer Verdrängungserfolg als mit reinen Mähen erzielen. weiterhin können geschwächte Pflanzen an indivuduenschwachen Standorten mit etwas Geschick auch mitsamt ihrer Wurzeln ausreißen.

Abb.4: Beim Ausstechen von Staudenknöterichen sollte der Spaten möglichst tief angesetzt werden. Aus Reststängeln könnten zügig wieder neue Seitentriebe wachsen.


Chemie

Die Anwendung von Chemie stellt die effizienteste Methode zur Verdrängung von Neophyten dar. Im Rahmen des Projektes wird das Totalherbizid "Round-Up Ultra" angewendet. Besonders geeignet ist es im Einsatz gegen großflächige Dominanzbestände vom Staudenknöterich.

Abb.5: Einsatz von "Roundup Ultra" gegen Staudenknöteriche

Für Springkraut und Goldrute ist ein Chemieeinsatz fragwürdig, da man auch mit den mechanischen Methoden Mähen und Ausreißen/ Ausstechen bereits nach einem Jahr gute Erfolge erzielen kann. Weiterhin kann man trotz hoher Deckungsgrade von Goldrute und Springkraut innerhalb der Bestände noch ein Vielzahl heimische Pflanzenarten finden, die im Falle eines Chemieeinsatzes ebenfalls betroffen wären.

Der Einsatz von "Roundup Ultra" gegen Riesenbärenklau muss ebenfalls standortweise abgewogen werden. In den meisten Fällen befindet sich der Riesenbärenklau in Fließgewässernähe oder an sumpfigen, nassen Standorten. Ein Chemieeinsatz in Fließgewässernähe (<10m) ist nur mit Sondergenehmigung möglich. Sumpfig, nasse Standorte stellen für Amphibien einen Primärlebensraum dar. Durch den Einsatz von "Roundup Ultra" werden nachweislich Amphibien geschädigt, daher sollte auf einen Einsatz in solchen Lebensräumen verzichtet werden.

Der Chemieeinsatz gegen Massenbestände vom Staudenknöterich stellt die vielversprechendste Methode zur Verdrängung dar (siehe Abb.6/ 7). Vor dem ersten Chemieeinsatz muss der komplette Standort einmalig gemäht werden. Hierfür wird Ende Mai Anfang Juni empfohlen. Im Anschluß an die Mahd nach ca. 4 Wochen oder einen Neuaufwuchs von ca. 1m Höhe kann der Einsatz mit Chemie erfolgen. Eine zweite chemische Behandlung dient zur selektiven Nachbebehandlung von Pflanzen, bei denen noch keine Wirkung zu erkennen ist.

Abb.6: Dominanzbestand von Sachalin-Staudenknöterich in einem Fichtenforst. Im Bild eine Dauerbeobachtungsfläche zur Dokumentation der Vegetationsentwicklung an einem Chemiestandort.

 

Abb.7: Der gleiche Standort wenige Monate später nach dem ersten Chemieeinsatz. Im Hintergrund Teile des Bestandes noch ohne chemischer Behandlung, aber bereits nach einer Mahd.

Der Einsatz von Chemie ist besonders gegen absolute Dominanzbestände, ohne nennenswerte Vorkommen  weitere Pflanzenarten innerhalb des Bestandes, geeignet. Es ist auf entsprechenden Abstand zu Fließgewässern zu achten, da sonst eine chemische Verdrängung nur mit Sondergenehmigung möglich ist. Weiterhin ist beim Arbeiten mit "Roundup" ein entsprechender Arbeitsschutz zu tragen.